Wumbo de Janeiro

Wumbo de Janeiro sammelt Spuren der Zeit. Er lebt mit seiner Frau und seiner Katze in Hamburg und verwandelt Alltagsgegenstände in ein Archiv der Aufmerksamkeit. Sein Leben dort fühlt sich weniger wie ein Zufluchtsort als vielmehr wie ein Fundament an. Es ist der Ort, an dem sein Denken beginnt – das Sammeln, Beobachten, die langsame Arbeit des Wahrnehmens.

Die Wohnung ist kein minimalistischer Raum, sondern eine Komposition aus Objekten, Erinnerungen und Materie. Italienische Möbel aus den 1950er- bis 1980er-Jahren stehen neben Stapeln von Zeitschriften, Schallplatten, Büchern und Kleidung. Alles trägt seine Spuren; alles strahlt Bewegung aus. Es ist ein Zimmer, das denkt – und mit dem es lebt.

 

Die meisten Morgen beginnen mit Kaffee, sorgfältig zubereitet von kleinen Röstereien, die er genau überwacht. Ein Ritual der Achtsamkeit: Konzentration, Handwerkskunst, Rhythmus. Vielleicht auch eine stille Hommage an Italien, das Land, das seine Arbeit auf Stone Island von Anfang an geprägt hat.

In den letzten fünf Jahren hat sich Wumbo intensiv mit der Geschichte der Marke auseinandergesetzt – die in den 1980er-Jahren aus technischer Neugier und militärischem Pragmatismus entstand. Was als flüchtiges Interesse begann, ist zu einer Methode geworden. Er liest, sammelt, dokumentiert und digitalisiert: alte Kataloge, Werbeseiten, Anhänger, Knöpfe und Etiketten. Für ihn geht es beim Sammeln nicht um Besitz, sondern um Erkenntnis.

„Man kann an der Jacke eines Menschen ablesen, was in ihm vorging“, sagt er.

Massimo Osti, Gründer von Stone Island, sieht sich selbst nicht als Designer, sondern als Forscher – jemand, der Material als Idee und Kleidung als Experiment betrachtet. Wumbo geht noch einen Schritt weiter: Er sammelt Denkweisen, keine Trophäen.

Sein Archiv umfasst rund 120 Stücke, die sich ständig verändern. Manche kommen hinzu, manche gehen. Was bleibt, wird getragen, untersucht und fotografiert. „Alles, was man sammelt, sollte auch benutzt werden“, sagt er.

Sie hat gelernt, dass Sammeln Geduld erfordert – und die Fähigkeit, Frustration zu ertragen. „Fast Fashion macht mich krank“, sagt sie leise, fast beiläufig. „Man muss nicht immer alles neu kaufen. Mit ein bisschen Wissen findet man gutes Design in jeder Preisklasse.“

Für Wumbo ist das Sammeln eine Gegenbewegung: gegen die Beschleunigung, gegen die Gleichgültigkeit. Alte Stücke sind keine Nostalgie, sondern Widerstand – gegen das Vergessen und die Abstumpfung der Kultur.

 

Neben Kleidung sind Musik und Kino feste Bestandteile seines Lebens. Er sammelt Schallplatten, Kassetten, CDs und VHS-Kassetten – Formate, die für sich genommen kleine Kulturarchive darstellen. Er sieht Filme nicht, um der Realität zu entfliehen, sondern um klarer zu sehen. „Ich bin filmsüchtig“, sagt er ohne Ironie.

Dieser Ansatz prägt ihre aktuelle Zusammenarbeit in der Schweiz, wo sie eine Ausstellung über Sammeln, Archivieren und Forschen entwickelt. Es handelt sich nicht um ein Spektakel, sondern um eine Fortsetzung ihrer bisherigen Praxis: Muster erkennen, Texte analysieren, Zeit verstehen.

Abends trinkt er rauchigen Whiskey, hört alte Tonbänder oder fährt lange Strecken auf Inlineskates – Bewegung ist für ihn ein Mittel, seinen Gedanken Gestalt zu verleihen.

Und manchmal, sagt er, beginnt alles, was zählt, mit einer guten Tasse Kaffee.